Ich wollte ja schon immer mal einen Roman schreiben …
Diese Worte hört oder liest man öfter. Bei mir lief das allerdings etwas anders. Es gab keinen lang gehegten Wunsch zu schreiben, und es fehlte auch jedwedes Schlüsselerlebnis. Es sei denn, man möchte den Mangel an lesbischen Büchern als ein solches Erlebnis bezeichnen. Ich weiß, das ist heute schwer vorstellbar, aber – once upon a time – es war einmal vor langer Zeit, da gab es noch kein privates Internet und queere Literatur war schwer zugänglich …

Aber beginnen wir am Anfang.
Ob Eisblumen an den Fenstern wuchsen, als ich im Januar 1968 das Licht der Welt erblickte, weiß ich nicht. Aber dass es ein Dienstagnachmittag war. Meine früheste Erinnerung führt mich zum Einschulungstag und zu einem Kleid mit Puffärmeln, das mir so sehr in die Oberarme schnitt, dass selbst die Zuckertüte kaum Trost spenden konnte.
In der Schule mochte ich Zahlen. Zahlen sind etwas Konkretes, sie sind verlässlich. Vielleicht landete ich deshalb in einer technischen Ausbildung und in Berufen, die Struktur versprachen. Ich habe einige Jahre in der Industrie gearbeitet, später im Immobilienbereich. Alles solide, alles ordentlich, alles sehr … normal.
Parallel dazu passierte etwas weniger Normales. Wie gesagt: Es war eine Zeit ohne Internet, und queere Literatur war rar. Die wenigen Bücher in meinem Regal waren längst ausgelesen, und Nachschub war nicht in Sicht. Was lag also näher, als selbst für Nachschub zu sorgen?
Zugegeben, besonders durchdacht war das nicht, aber ich hatte Zeit und Lust – und keine Ahnung worauf ich mich einließ. Also begann ich, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Das war im Jahr 1993. Sehr bald merkte ich, dass auch so eine kreative Sache wie das Schreiben nicht nur Spaß bedeutet. Schreiben ist Arbeit. Und wer eine Arbeit ernsthaft und erfolgreich ausführen will, muss sich Zeit dafür nehmen. Aber Zeit ist begrenzt – also muss man dem Schreiben andere Dinge opfern. Schreiben ist auch ein Handwerk. Will man gut darin sein, muss man es, wie jedes Handwerk, erlernen und täglich betreiben, um seine Fertigkeiten zu verbessern.
Das klingt anstrengend? Ja. Das ist es auch. Aber die Anstrengung tritt schnell in den Hintergrund, wenn die Figuren eines neuen Romans lebendig werden und Wege einschlagen, die mich selbst überraschen. Vielleicht ist das aber auch der Trick bei der Sache. Ich schreibe ohne vorherige Gliederung. Keine detaillierten Pläne, keine ausgefeilten Storyboards. Die Geschichte entsteht spontan in meinem Kopf, von Kapitel zu Kapitel. Am Anfang eines Buches weiß ich nur eines: Es wird ein Happy End geben. Der für die Protagonistinnen holprige Weg dorthin ist jedes Mal ein schönes Erlebnis, auch für mich.
Zunächst veröffentlichte ich meine Bücher über einen Verlag. 2013 setzte ich meine Autorenarbeit als Selfpublisherin fort. Viele weitere Romane kamen seitdem dazu.
Ich vermute, ich werde auch noch einige Jahre weitermachen. Auch wenn ich gelegentlich denke: »Was soll’s. Ich habe genug Bücher geschrieben. Ich höre einfach auf.« – Doch in der Praxis ist es ganz und gar nicht einfach. Ich habe es versucht. Wirklich! Es hat nicht funktioniert. Ich fürchte, ich bin einfach zu abhängig von der Droge Schreiben.
Januar 2026
